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После дискуссии на фестивале goEast

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goEast 2011: Symposiumsvorträge von Dr. Grit Lemke und Valery Balayan

von Ciprian David, am 8.4.11


Augen Rechts! Oder: Verschiedene Arten, ein Phänomen zu sehen. Die osteuropäische Rechte im Film.

Vor einem kleinen Publikum mit hohem Altersdurchschnitt wurde heute das Symposium eröffnet. Dr. Grit Lemke, Leiterin und Kuratorin der Rahmenveranstaltung startete die Vortragsreihe mit einer geschichtlich-thematischen Ortung des Programms, die Motive, Stilistik und Methodik der Herangehensweise der Regisseure im Zeitfluss aufzeichnet und in voller Länge auf der Webseite des Festivals zu lesen ist.

Während sich Dr. Lemkes Vortrag den Umgang der Filmemacher aus Mittel- und Osteuropa mit der Entwicklung des Nationalsozialismus thematisierte, öffnete die rege Diskussion im Anschluss die Perspektive des Symposiums. Thematisiert wurde der Inszenierungsfaktor von Gruppierungen wie der Nationalbolschewistische Partei Russlands, welche unter der Führung Eduard Limonows eine nationalsozialistische Ideologie mit einer sozialistischen visuellen Symbolik kombiniert und, wie Aliona Poluninas Film Yes, Death! erklärt, die Verschiebung der klassischen Definition von Links und Rechts markiert. Ein weiteres Thema war die Frage nach Filmen, die, im Unterschied zu den kuratierten Werken, diese Ideologien unterstützen. Durch die Entwicklungen der letzten Jahre entstehen in Ungarn und Russland nationalsozialistische Filme, eine allgemeine Tendenz des Eindringens der Ideologie sogar in Blockbuster ist zu bemerken. Es wurde auf ikonische Persönlichkeiten, wie etwas den Schriftsteller Solschenizyn aufmerksam gemacht, deren nationalsozialistische Sichtweisen, öffentlich gemacht in Werken und Äußerungen, nie angefochten werden. Die Fragen nach der historischen Entwicklung des Sozialismus und des Antisemitismus weltweit und nach den Vorprägungen der Literatur, vor allem in Russland, werden von Dr. H.C. Hans-Joachim Schlegel in seinem Beitrag zum Symposium ausführlich behandelt werden.

Der erste Vortrag beschränkte sich im Vordergrund darauf, Erscheinungen des Nationalsozialismus in mittel- und osteuropäischen Staaten im Rahmen ihrer Thematisierung in den Filmen des Programms vorzustellen, was einerseits für einige Einblicke sorgte, die sich mit der Sichtung der Filme vertiefen werden. Soziale Vorkommnisse, wie etwa die inoffiziellen medialen Gegenbewegungen in Ungarn durch Internet-TV oder die Thematisierung einer Suche nach nationaler Identität in den Bevölkerungen der osteuropäischen Staaten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden dem für den Vortrag zentralen Aspekt der Motivik der Filme untergeordnet und werden in den weiteren Vorträge des Symposiums vertieft.


Die russische  "ziga" - vom Stern zum Hakenkreuz. Neonazismus in Russland heute.

So versuchte Regisseur Valery Balayan im zweiten Vortrag des Symposiums die Entwicklung des Nationalsozialismus in Russland über die letzten 20 Jahre hinweg nachzuzeichnen und die Frage nach den Gründen dahinter zu beantworten. Als Ausgangspunkt für seinen Vortrag wählte der ukrainische Regisseur und Journalist ein Paradoxon, das in dem anschließenden Gespräch noch einmal aufgegriffen wurde: Die Sowjetische Union ist basierend auf einer Ideologie der Völkerverständigung entstanden, die auch den Werdegang Balayans geprägt hat, gleichzeitig aber auch den der meisten Anführer diverser nationalsozialistischen Gruppierungen. Erst mit der Hinrichtung der antifaschistischen Journalistin Anastasia Baburowa und des Anwalts Stanislaw Markelow und Balayans filmische Dokumentation der Bestattung der Journalistin wurde er mit dem Thema vertraut. Laut seiner Angabe unterstützen ungefähr 70% der Bevölkerung die Ideen der rechtsradikalen Organisationen, mit einer steigenden Tendenz, die, im Kontext Russlands als multiethnisches Land zu einer baltischen Katastrophe führen müsse, so Balayan.

1986, noch während der Perestroika, wurde die Organisation Erinnerung gegründet, eine Volksparteiische Front, damals ohne Ideologie, aber mit einer Tendenz der Präservation der russischen Kultur. Über diverse Veröffentlichungen (Zeitungen, Zeitschriften, einen Radiosender) propagierte diese unter breiter Akzeptanz in den Reihen der Bevölkerung politische Ideen, die als Wegbereiter für den Nationalsozialismus zu sehen sind. Öffentliche Meetings und schwarze Uniformen, sowie auf altertümlichen Traditionen basierende Symbole wurden zu ihren Markenzeichen.

Aus dieser Organisation sind mehrere Splittergruppen entstanden, aus den Symbolen Hakenkreuze. Darunter die republikanische Partei, im Rahmen des Symposiums sind  vor allem aber einige rechtsradikale Gruppierungen von Interesse. Diese sind um charismatische Führer organisiert, wie etwa Alexander Barkaschow bei der Russische Nationale Einigkeit  oder Dmitry Demuschkin bei der Slawische Macht. Entstanden sind inzwischen sogar Nischengruppierungen, wie Die Russische Weise (fokussiert auf Jugendliche), Das Russische Urteil (welche Juristen in ihren Reihen versammelt) und die Bewegung Gegen Illegale Immigration. Diese Gruppierungen verweisen auf eine weitere Stufe der politischen Organisationen, denn zu ihrer Ideologie gehört das aktive Handeln. Dazu gehören Waffenbeitz (teils militärischer Art), Körper- und Kampftraining, Aufmärsche oder lokale Angriffe auf Minoritäten und Aufrufe zur Beseitigung ideologischer Gegner. Alle Gruppierungen verfügen über Beziehungen zu Regierungsmitgliedern und werden immer mehr sowohl von diesen als auch von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert oder sogar unterstützt.

Während Valery Balayan die Existenz dieser Organisationen auf die schon während der Perestroika propagierten patriotischen Ideen mit nationalistischen Tendenzen zurückführte und sie als Ableger des Kommunismus sieht, besonders in ihrer Tendenz, sich von dem Fremden zu distanzieren, dieses zu diffamieren, führte Hans-Joachim Schlegel den Gedankengang fort und machte, ein Schritt zurück in der Geschichte, auf die Transformation des internationalen Charakters des Kommunismus zu einem nationalen in der Ära Stalin aufmerksam.

Das Symposium Aufmarsch in Bildern – Die neue Rechte im Osteuropäischen Film lässt sich vor allem als ein mutiger politischer Schritt in der Gestaltung des Festivalprogramms erkennen, was das gesellschaftspolitische Phänomen in seiner stetigen Entwicklung, die Abwesenheit einer Thematisierung in den westlichen Medien und die zahlreichen Vorführ- und Berufsverbote um die einzelnen Filme herum beweisen. Für die nächsten zwei Tage wird Wiesbaden dank goEast zum wichtigsten Treffpunkt von Film und Politik in Deutschland.

Ein Überblick der Vorträge und Filme des Symposiums findet sich hier.

Valery Balayans Film Bitte Liebt mich! untersucht, in Verbindung mit dem Mord an Anastasia Baburowa, die Möglichkeiten der Bevölkerung sich gegen diese in Russland entstehende Übermacht zu wehren.
 
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